Versandkosten und Lieferzeiten im Shopify-Shop richtig angeben
Bevor die erste Bestellung reinkommt, müssen zwei Angaben stimmen: was der Versand kostet und bis wann die Ware ankommt. Beides ist für Fernabsatzverträge mit Verbrauchern gesetzlich vorgeschrieben, nicht nur guter Stil. Dieser Ratgeber zeigt, was das Gesetz konkret verlangt, wo Shopify es direkt unterstützt und wo du im Theme nachbessern musst.
Was Kundschaft laut Gesetz vor dem Kauf sehen muss
§ 312d Abs. 1 BGB verpflichtet dich, Verbraucher nach Maßgabe von Art. 246a EGBGB zu informieren; die erteilten Informationen werden Vertragsbestandteil. Für einen typischen Shopify-Shop sind aus dem Pflichtenkatalog in Art. 246a § 1 Abs. 1 EGBGB besonders drei Nummern relevant: Nr. 5 der Gesamtpreis, Nr. 7 zusätzlich anfallende Fracht-, Liefer- oder Versandkosten, Nr. 10 der Termin, bis zu dem geliefert werden muss. Parallel dazu schreibt § 3 PAngV vor, dass Gesamtpreise anzugeben sind. Zusammengenommen heißt das: Versandkosten und Liefertermin gehören in den Kaufweg selbst, sichtbar bevor bestellt wird, nicht auf eine Unterseite, die niemand vorher ansteuert.
Gesamtpreis, Versandkosten und Liefertermin im Wortlaut
Der Gesetzestext ist konkreter, als viele Shopbetreiber denken. Art. 246a § 1 Abs. 1 Nr. 7 EGBGB verlangt „alle zusätzlich zu dem Gesamtpreis … anfallenden Fracht-, Liefer- oder Versandkosten und alle sonstigen Kosten“. Falls sich diese Kosten vernünftigerweise nicht im Voraus berechnen lassen, genügt wenigstens der Hinweis, dass solche Kosten anfallen können. Eine pauschale Angabe reicht also nur in echten Ausnahmefällen, etwa bei individuell kalkulierten Speditionslieferungen. Für die Lieferzeit verlangt Nr. 10 „den Termin, bis zu dem der Unternehmer die Waren liefern … muss“, zusammen mit den Zahlungs- und Lieferbedingungen. § 3 Abs. 1 PAngV ergänzt das preisrechtlich, und nach § 3 Abs. 3 PAngV muss der Gesamtpreis bei aufgegliederten Preisen hervorgehoben werden. Ob einzelne Punkte in deinem Fall exakt so zutreffen, ist eine Rechtsfrage; diese Übersicht ersetzt keine Prüfung des Einzelfalls.
Versandprofile in Shopify richtig aufsetzen
Shopify bildet Versandkosten über Versandprofile ab: eine Gruppe von Versandregeln für bestimmte Produkte und Standorte. Jeder Shop startet mit einem allgemeinen Profil für alle Produkte; für abweichende Fälle, etwa sperrige oder zerbrechliche Ware, legst du bis zu 99 eigene Profile an. Im Adminbereich unter Einstellungen, dann Versand und Lieferung, richtest du je Profil Versandzonen ein und hinterlegst pro Zone Pauschalpreise, gestaffelte Preise oder kostenlosen Versand. Ein Produkt oder eine Produktvariante kann dabei immer nur einem Profil zugeordnet sein; verschiebst du es in ein zweites, verschwindet es automatisch aus dem ersten. Die im Profil hinterlegten Kosten sind genau der Betrag, den Nr. 7 EGBGB verlangt. Trage hier die reale Kalkulation ein, nicht eine grobe Schätzung.
Lieferzeiten in Shopify hinterlegen: wo eine Theme-Anpassung nötig ist
Für den Liefertermin nach Nr. 10 bringt Shopify eine Bearbeitungszeit mit: Du kannst sie im selben Versandbereich auf bis zu 40 Werktage beziehungsweise acht Wochen setzen. Shopify nutzt diese Bearbeitungszeit zusammen mit der Transitzeit der Versandart, um im Checkout eine voraussichtliche Lieferzeit anzuzeigen. Das deckt den Weg bis zum Checkout-Abschluss ab. Was Shopify nicht automatisch übernimmt: eine für alle sichtbare Lieferzeitangabe schon auf der Produktseite oder im Warenkorb, bevor der Checkout überhaupt startet. Willst du dort verbindliche Angaben zeigen, ergänzt du sie im Theme, etwa als Textbaustein neben dem Kaufen-Button, und hältst diese Angabe manuell mit deinen echten Versandprofilen synchron. Trägst du dort eine andere Zahl ein als im Checkout, widersprechen sich zwei Pflichtangaben im selben Kaufweg.
Versandkosten sichtbar machen, nicht erst im Checkout verstecken
Shopify zeigt auf der Warenkorbseite standardmäßig eine Zwischensumme und einen Bestellen-Button; die konkreten Versandkosten berechnet und zeigt der Checkout. Für den deutschen Markt weist Shopify selbst darauf hin, zusätzlich Steuer- und Versandinformationen auf der Warenkorbseite einzublenden: Aktivierst du die Einstellung „Alle Steuern sind in meinen Preisen enthalten“, erscheint der entsprechende Hinweis direkt unter der Zwischensumme; hinterlegst du eine Versandrichtlinie, verlinkt Shopify sie automatisch auf der Produktseite. Nutze beides, aber verlasse dich nicht allein darauf: Prüfe zusätzlich den kompletten Checkout-Durchlauf und stelle sicher, dass die konkrete Versandkostenzeile spätestens vor dem zahlungspflichtigen Bestellen sichtbar ist, nicht erst danach.
„Lieferzeit ca.“ ist keine Angabe
„Lieferzeit ca. 3 bis 5 Werktage“ ohne jede Grundlage ist ein Klassiker. Nr. 10 verlangt einen Termin, bis zu dem geliefert werden muss, keine unverbindliche Hausnummer aus dem Theme-Demo-Text. Trage in der Bearbeitungszeit die Zeitspanne ein, die dein tatsächlicher Ablauf braucht, vom Zahlungseingang bis zur Übergabe an den Versanddienstleister, und rechne die reale Transitzeit deiner Versandart dazu, nicht die kürzeste denkbare. Weicht die Praxis später regelmäßig von der Angabe ab, etwa weil ein Lieferant öfter länger braucht, korrigiere die Zahl in Shopify, statt die Abweichung stillschweigend hinzunehmen. Eine ehrliche, etwas längere Angabe ist weniger riskant als eine knappe, die selten stimmt.
Checkliste zum Abhaken
- ☐ Versandprofile je Zone mit den tatsächlich kalkulierten Kosten hinterlegt
- ☐ Jedes Produkt genau einem Versandprofil zugeordnet
- ☐ Bearbeitungszeit realistisch gesetzt, nicht die kürzeste denkbare
- ☐ Transitzeit der Versandart in der Checkout-Lieferschätzung geprüft
- ☐ Versandkostenzeile vor dem zahlungspflichtigen Bestellen sichtbar
- ☐ Lieferzeitangabe im Theme mit dem Checkout-Wert abgeglichen
- ☐ Versandrichtlinie hinterlegt und Verlinkung auf der Produktseite geprüft
- ☐ Kompletter Checkout als Testbestellung durchgespielt
§ 312d BGB · Art. 246a § 1 EGBGB · § 3 PAngV · Shopify Help: Versandprofile · Shopify Help: Versandprofile einrichten · Shopify Help: Versandtarife · Shopify Changelog: Längere Bearbeitungszeit · Shopify Help: Warenkorbseite für Deutschland
Willst du diese Angaben nicht allein durchgehen, prüft der Ladenfertig Launch-Check für 149 € Endpreis (§ 19 UStG, keine Umsatzsteuer ausgewiesen) genau diese Stellen im Kaufweg, mit priorisierter Fix-Liste und kommentierter Video-Übergabe; Verfügbarkeit fragst du über die Anfrage an.
Hinweis: Dieser Beitrag erklärt die technische Umsetzung in Shopify und ordnet die genannten Gesetzestexte ein. Er ist keine Rechtsberatung und ersetzt keine Prüfung des Einzelfalls; wende dich für verbindliche Auskünfte an eine Rechtsanwältin, einen spezialisierten Rechtstext-Anbieter oder deine Steuerberatung.